Dieses Jahr findet ein Regionaltauschtag am 09.04.2022 in der CoJe (Coburger Jugendeinrichtung), Rosenauer Straße 45, 96450 Coburg, von 9 - 16.00 Uhr statt. Anwesend ist auch der Internet-Youtubestar Thommi, siehe u. a. https://www.youtube.com/watch?v=jZ34wv4PtZY. Die Corona-Regeln sind ab dem 03.04.22 allgemein aufgehoben. ~ Vereinsabende finden jeden ersten und dritten Dienstag im Münchner Hofbräu, Kleine Johannisgasse 8, 96450 Coburg, statt. Gäste sind herzlich willkommen! ~ Ansonsten: "Sammler sind glückliche Menschen" (Zitat von Goethe). - Ankündigung: Vom 26. bis 29. Mai 2022 findet das diesjährige Vereinstreffen der Dürer- & Luther-Philatelisten e. V., Mitglied im Bund Deutscher Philatelisten e. V. (BDPh) und im Verband der Philatelistischen Arbeitsgemeinschaften e. V. (VPhA), im Münchner Hofbräu, Kleine Johannisgasse 8, 96450 Coburg, statt. Ausgegeben wird dort auch ein neuer Coburger Sonderstempel und ein Plusbrief.
 
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Die Coburger Postgeschichte bis zum bayerischen Anschluss - sowie in Zeiten der Vorphilatelie: Am 26. Mai 1687 erteilte Herzog Albrecht die Einrichtung einer Schnellpost von Judenbach-Coburg-Nürnberg und die Eröffnung eines Postamtes in Coburg
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Die Postgeschichte in Thüringen - 1. Allgemeines - 2. Botenposten (bis 1615) - 3. Aufkommen der Thurn- und Taxisschen Post und der Wettstreit mit anderen Posteinrichtungen (1615-1806) u. a.
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Die Postgeschichte in Thüringen - 1. Allgemeines - 2. Botenposten (bis 1615) - 3. Aufkommen der Thurn- und Taxisschen Post und der Wettstreit mit anderen Posteinrichtungen (1615-1806) u. a.





  

Durch seine Lage im Herzen Deutschlands und damit Europas war Thüringen von jeher ein wichtiges Durchgangsland. Zur Zeit der Völkerwanderungen fluteten die germanischen Stämme hindurch, dann zogen auf seinen Straßen die Boten und Fahrzeuge der Fürsten, Städte und Klöster entlang, und mit dem Aufblühen des Handels und Verkehrs im Mittelalter entwickelte es sich zu einem wichtigen Kreuzungsgebiet für den großen Personen- und Warenverkehr zwischen den damaligen Mittelpunkten des kaufmännischen Lebens im Süden (Augsburg, Nürnberg), Norden (Magdeburg, Braunschweig, Bremen, Hamburg), Westen (Frankfurt, Köln) und Osten (Leipzig, Breslau).

Zwei der ältesten Verkehrsstraßen durch Thüringen waren die in westöstlicher Richtung verlaufende Oberstraße, die von Eisenach längs des Südabfalls der Hörselberge nach Gotha, dann nach Erfurt und von da an nordöstlich über Buttelstedt, Eckartsberga, Naumburg, Weißenfels nach Leipzig führte, und die Unterstraße, die von Eisenach durch das Nessetal und über Langensalza, Weißensee und Cölleda ebenfalls nach Eckartsberga ging. Die Straßen über den nordwestlichen und mittleren Thüringer Wald richteten ihren Lauf fast sämtlich nach Erfurt oder Gotha und mündeten zum großen Teil in die "Oberstraße" ein. Im Südosten bestanden drei Straßenzüge, die Nürnberg mit Leipzig verbanden: Der eine führte über Coburg, Sonneberg, Gräfenthal, Saalfeld, Jena, Camburg, Naumburg und Lützen, der andere über Bayreuth, Hof, Plauen und Altenburg und der mittlere über Lobenstein, Saalburg, Schleiz, Auma, Weida und Gera. Die zuletzt angeführte mittlere Straße war sowohl mit der westlichen - über Pößneck, Kahla, Jena - wie mit der östlichen - über Gefell, Hof - verbunden. Im Westen Thüringens durchlief der große Straßenzug von Amsterdam nach Wien die Städte Eisenach, Meiningen und Coburg.

Der Verlauf der alten Handelsstraßen wird vielfach heute noch gekennzeichnet durch die Burgen, die von den Rittern in möglichst beherrschender Nähe der Straße angelegt wurden (Drei Gleichen, Eckartsburg, Rudelsburg usw.).

Die Straßen befanden sich in einem nach unserer heutigen Auffassung trostlosen Zustand. Man beschränkte sich bei ihrer Anlegung darauf, die hauptsächlichsten Hindernisse zu beseitigen, die Fahrbahn einigermaßen zu ebnen und sumpfige Stellen durch Reißigdecken und Bohlen notdürftig fahrbar zu machen. Brücken über die kleinen Flußläufe waren außerhalb der Städte nur selten vorhanden. Die Verhältnisse änderten sich auch nicht wesentich, als das deutsche Städtewesen im 15. und 16. Jahrhundert zu hoher Blüte gelangte und sich ein reger Handel entwickelte. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts trat eine Wandlung ein, als man begann, nach ausländischem Beispiel befeftigte Straßen (Chausseen) zu bauen. Vom Jahre 1804 bis 1859 wurden im Bereich der thüringischen Staaten 38 neue Kunststraßen geschaffen. Für den Postverkehr waren dabei wegen der Vervollkommnung der preußisch-bayerischen Verbindungen zwischen Nord und Süd besonders wichtig: Die Straßenzüge von Erfurt und Langensalza über Gotha, Oberhof, Suhl, Schleusingen, Hildburghausen und Coburg nach Lichtenfels (Bayreuth, Bamberg, Nürnberg) und ferner über Gotha, Benshausen und Meinigen nach Mellrichstadt (Aschaffenburg, Würzburg).

 
2.  B o t e n p o s t e n  ( bis 1615 )






1.  A l l g e m e i n e s

Die erste Entwicklung des Postwesens - d. h. nach den früheren Verhältnissen des Verkehrswesens überhaupt - war in Thüringen die gleiche wie in anderen deutschen Gebieten.

Die Anfänge einer geregelten Nachrichtenbeförderung stellten die teils von der Staatsgewalt, teils von den Städten oder von den kirchlichen und kaufmännischen Körperschaften eingerichteten Botenposten dar. Solche Botenposten entwickelten sich allenthalben im thüringischen Gebiet je nach den örtlichen Verhältnissen. Gemeinsam ist allen diesen Einrichtungen, daß sie in ihren Anfängen lediglich den Bedürfnissen einer bestimmten Schicht entsprangen. Die Bedürfnisse der Allgemeinheit beachtete man nur insoweit, als man glaubte, wirtschaften Gewinn aus ihrer Befriedigung ziehen zu können. Die älteste urkundlich belegte regelmäßige Botenpost ist die der Stadt Nordhausen mit Erfurt und anderen Städten (Nordhäuser Wachstafeln von 1358 - Eigentum der herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel).

Aus den noch vorhandenen Bruchstücken der Urkunden über die ersten preußischen Botenposten in den Regierungsjahren des Kurfürsten Joachim II. ergibt sich, daß um 1559 thüringisches Gebiet berührt wurde von der markgräflichen Botenpost Küstrin-Onolzbach (Ansbach) in Weißenfels, Eckartsberga, Weimar, Saalfeld, Gräfenthal, Judenbach, Coburg, Eisfeld, Ilmenau, Gotha, Langensalza und Bad Tennstedt.

In den Erfurter Archiven finden sich Nachrichten über Botenposten erst in den Rechnungsbüchern der Stadt von 1620 und 1621, wo es heißt, daß Johannes Mohr, der seit Beginn des Jahrhunderts für den Rat und Verkehr nach Frankfurt und Leipzig besorgt, seine Dienste neben dem neuen thurn- und taxisschen Postdienst neben dem neuen thurn- und taxisschen Postmeister Christoph Nickel weiter versehen soll. Nachrichten aus Ilmenau vom Jahre 1610 besagen, daß damals eine wöchentlich einmal verkehrende Botenpost von Ilmenau über Arnstadt nach Erfurt bestand, die in Erfurt Anschluss an den Leipzig-Frankfurter Postkurs gewann.

Auf der alten Handelsstraße Nürnberg-Hamburg unterhielt die Stadt Nürnberg bereits Ende des 15. Jahrhunderts regelmäßige Botenposten. Die "Nürnberger Boten" nahmen damals ihren Weg über Bamberg, Coburg, Eisfeld, Ilmenau, Plaue, Arnstadt, Erfurt, Weißensee, Kelbra, Wolfenbüttel, Braunschweig und Lüneburg. Auch auf der Strecke Nürnberg-Leipzig, die Ostthüringen durchquerte, verkehrten die Nürnberger Stadtboten.

Kurfürst Albrecht von Brandenburg (1470-1486), der sich viel auf seinen Besitzungen in Ansbach aufhielt, richtete einen regelmäßigen Botengang zwischen Küstrin und Ansbach ein, mit dem bereits seit 1486 ein Botengang von Ansbach über Coburg, Gotha und Wolfenbüttel imn Verbindung stand. Diese anfänglich nur auf die Beförderung der landesherrlichen Schreiben beschränkten Botengänge waren von 1603 ab für jedermann zur Benutzung freigegeben. Sie haben sich bis 1815 gehalten.

Nach einem Schriftstück vom 7. September 1592 hat um diese Zeit auch eine wöchentlich einmal verkehrend Postverbindung durch einen "Postreuter" zwischen Sondershausen, Mühlhausen, Waldkappel und Kassel bestanden.

Die schwarzburgischen Regierungen ließen gegen Ende des 16. Jahrhunderts zur Beförderung ihrer Briefschaften regelmäßig Kanzleiboten zwischen Sondershausen, Frankenhausen, Erfurt, Arnstadt und Rudolstadt verkehren. Diesen Boten war es gestattet auch für die Bevölkerung Briefe und kleine Pakete zu befördern. Die anfangs wöchentlich einmalige Verbindung wurde später (1688 und 1743) zur Herstellung eines regelmäßigen Austausches mit den Posten nach Frankfurt (Main) und den Hansestädten weiter ausgebaut.


3. Aufkommen der Thurn- und Taxisschen Post und der Wettstreit mit den anderen Posteinrichtungen
(1615 - 1806 )


 

    
 

 

Infolge der Verkehrssteigerung konnten die zunächst nur aus rein örtlichen Bedürfnissen heraus entstanden Botenposten den Anforderungen nicht mehr genügen. Eine Entwicklung von größeren Gesichtspunkten aus und für größere Gebiete mußte einsetzen. So kam Ende des 16. Jahrhunderts, zur Zeit Rudolfs II., die Auffassung auf, daß das Recht, Posten in ganz Deutschland anzulegen, ein kaiserliches Reservat sei. Der Kaiser ernannte im Jahre 1595 Leonhard von Taxis zum General-Reichs-Postmeister und erließ für das Reich Verordnungen wegen Abschaffung der Botenposten. Kaiser Matthias erneuerte diese Anordnungen und belehnte 1615 Lamoral von Taxis und seine Nachkommen erblich mit dem "General-Postmeister-Amt über die Posten im Reich". Damit begann auch für Thüringen eine neue Entwicklung. Die Thurn- und Taxissche Reichspost erkannte in ihrer persönlich-wirtschaftlichen Einstellung bald die Bedeutung Thüringens als Durchgangsland für den Postverkehr und ließ es sich angelegen sein, möglichst bald viel Reichspostkurse und Stationen in Thüringen einzurichten. Hierbei kam ihr die Zerrissenheit des Landes in viele kleine Staaten zustatt; und so ist denn auch Thüringen - im Gegensatz zu den größeren und festeren Staatsgebilden im Norden und Osten Deutschlands (Preußen und Sachsen), wo das Prinzip der für das Allgemeinwohl eingerichteten Staatsposten siegte - ein Land gewesen, in dem es der Thurn- und Taxisschen Post gelang, sich allmählich immer mehr durchzusetzen und schließlich auch am längsten zu halten. Allerdings ging diese Entwicklung nicht ohne Kampf vor sich. Die einzelnen Fürsten setzten der Reichspost zum Teil heftigen Widerstand entgegen und waren zunächst durchaus nicht geneigt, das Postregal an sie auszuliefern. Ferner trat als eifriger und starker Gegner der taxisschen Bestrebungen auch die kursächsische Post auf, die ebenfalls bemüht war, ihr Postwesen in Thüringen auszubreiten. Die sächsische Post war dadurch im Vorteil, das die thüringischen Herzöge und Fürsten sich gegenüber dam stammverwandten und mächtigen Kurhaus Sachsen nachgiebiger zeigten als gegen die Reichspost. Auch die Bestrebungen der preußischen Postverwaltung, mit ihren Posteinrichtungen in Thüringen vorzudringen und das Land mit eigenen Posten zu durchqueren, bereitete der Reichspost manche Schwierigkeiten.

So bietet die Entwicklung der Post in Thüringen während der Zeit von 1615 bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ein äußerst buntes Bild. Reichspost, kursächsische, preußische und landesherrliche Posten, städtische und private Botenanstalten sowie eine zeitlang auch schwedische Posten verkehrten nebeneinander im Wettstreit.

Die wichigsten Fakten aus den Gebieten der einzelnen Posteinrichtungen seien kurz wiedergegeben:


a) Die Thurn- und Taxissche Post


 
Die Entwicklung der Thurn- und -Taxisschen Post ging infolge der vielen Hemmnisse nur schrittweise vorwärts. Ursprünglich war die Reichspost nur Briefpost. Sie hatte aber auch für Briefe keinen Postzwang. Ihr Privileg bestand in der Beförderung von Briefen mit Wechsel der Pferde.

Bereits im Jahre 1615 begab sich der Frankfurter Postmeister von den Birghden nach Erfurt, um wegen Einrichtung einer Thurn- und Taxisschen Reitpost auf der wichtigen Linie Frankfurt (Main) - Leipzig zu verhandeln. Er erreichte, wie es in den Erfurter Chroniken heißt, daß "der Erfurter Rat dem Postmeister von Taxis auf Begehren des Kaisers Matthias Vorschub tat". Es wurde daraufhin in Erfurt ein kaiserlicher Posthalter ernannt und die Reitpost, die ihren Weg über Fulda, Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar, Naumburg nahm, eröffnet. In den Akten der Stadt Erfurt wird 1620 als Postmeister der Gastwirt Nickel genannt, und 1647 wird Georg Friedrich Breitenbach als Reichspostmeister erwähnt. Die erste urkundliche Nahricht über das Reichspostamt in Gotha stammt aus dem Jahre 1722. Auch von Eisenach wissen wir, daß um diese Zeit ein Kaiserliches Postamt dort bestand. Andere Postämter in Thüringen, die von vorneherein als Reichspostämter eingerichtet wurden, sind z. B. Nordhausen (1691), (Anmerkung: Coburg 1695, laut Postrat Max Teubner), Arnstadt (1704), Greiz (1780), Ilmenau (1707), Heiligenstadt (1768) und Zeulenroda 1700).

In Erfurt wurde auch für das thüringische Gebiet ein "Reichs-Postdirektorium" errichtet, das der "Generaldirektion der Fürstlich Thurn- und Taxischen Lehnspost" in Frankfurt (Main) unterstellt wurde.

Für jede neue Postverbindung mußte die Thurn- und Taxische Verwaltung die landesherrliche Erlaubnis einholen. Sehr oft wurde diese verweigert. Bei den Boten- und Reitposten waren die Landesherren noch verhältnismäßig entgegenkommend, aber dem Vordringen der Thurn- und Taxisschen Fahrposten traten sie beharrliche entgegen.

So gelang es dem Fürsten Thurn und Taxis z. B. im Jahre 1698, eine Reitpost von Regensburg über Nürnberg, Eisfeld, Schleusingen, Ilmenau, Arnstadt, Erfurt, Weißensee, Seega, Kelbra nach Braunschweig einzurichten. Als ihm bald darauf der Durchgang durch das kursächsische Gebiet bei Weißensee versagt wurde, leitete er die Post von Erfurt aus über Langensalza, Mühlhausen, Duderstadt, Goslar nach Braunschweig. Auf Grund eines Vertrags mit dem Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt nahm die wichtige Reitpost von Wien nach dem Norden seit 1. November 1749 ihren Weg über Hof, Lobenstein, Rudolstadt, Stadtilm, Erfurt, Nordhausen usw. Die Genehmigung zum Durchgang der Thurn- und Taxisschen Reitposten durch landesherrliches Gebiet wurde öfter auch nur unter der Bedingung erteilt, das die Ritte mit den Pferden aus dem Marstall des Landesherrn ausgeführt wurden. So erlangte z. B. Taxis durch Vertrag vom Jahre 1773 das Recht, mit Pferden aus dem herzoglich sächsischen Poststalle neue Ritte von Eisenach nach Mühlhausen und Salzungen einzurichten.

Welche Widerstände den thurn- und Taxisschen Fahrposten entgegengesetzt wurden, ergibt sich daraus, daß z. B. die herzoglich sächsische Regierung im Jahre 1749 den taxisschen Vorschlag ablehnte, die Fahrpost aus Frankfurt von Fulda über Eisenach, Erfurt, Weimar bis Jena weiterzuführen. Auch die Anlegung von kaiserlichen Fahrpostkursen von Rudolstadt über Arnstadt, Gotha nach Eisenach sowie von Fulda über Salzungen nach Eisenach und Mühlhausen wurde von den Landesherren in den Jahren 1746 bis 1758 verweigert. Erst unter den veränderten Verhältnissen nach dem Jahre 1813 wurde auf Antrag des Fürstlich Thurn- und Taxisschen Ober-Postkommissars zu Eisenach gestattet, die Frankfurter Fahrpost, die bis dahin über Friedberg, Hersfeld und Berka (Werra) gegangen war, von Fulda über Hünfeld und Vacha nach Eisenach zu leiten.

Im Siebenjährigen Krieg wurden das Reichspostamt in Erfurt sowie die anderen im eroberten Gebiet liegenden Reichspostämter durch die Preußen vorübergehend besetzt. Endgültig mußte die Reichspost aus den Gebieten von Erfurt, Nordhausen, Mühlhausen und aus dem Eichsfeld in den Jahren 1802/03 weichen, nachdem Preußen in ihnen durch den Luneviller Frieden als Entschädigung für die Abtretung der Provinzen links des Rheins an Frankreich die Staatshoheit erlangt hatte. Die Thurn- und Taxissche Postdirektion für Thüringen wurde im Zusammenhang damit von Erfurt nach Eisenach verlegt. Die taxissche Postverwaltung hatte sich bei den Verhandlungen mit Preußen, die wegen der Durchführung des Reichsdeputations-Hauptschlusses geführt wurden, zwar eifrig bemüht, wegen seiner großen verkehrspolitischen Bedeutung wenigstens das Postamt in Erfurt auch nach dem Übergang dieser Stadt an Preußen beibehalten zu dürfen. Doch zeigte sich Preußen in diesem Punkt unerbittlich. Am 1. Mai 1803 wurden die Kaiserlichen Adler vom Posthause in Erfurt abgenommen, und die preußische Post eröffnete ihre Tätigkeit. Von Preußen wurden der Reichspost zunächst sogar der Durchgang durch die neu erworbenen Gebiete verwehrt; erst am 1. November 1803 kam ein Vertrag zustande, nach dem der Reichspost u. a. auf den Linien Frankfurt-Eisenach-Mühlhausen-Hildesheim-Hamburg-Bremen und Frankfurt-Erfurt-Leipzig der unbeschränkte Durchgang verschlossener Felleisen gestattet wurde. Die Beförderung der Felleisen übenahm die preußische Post selbst mit besonderen Ritte, für die die Reichspost 75 Thaler jährlich zu zahlen hatte.


 

b) Die kursächsischen Posten






Die sächsischen Posten berührten und durchkreuzten vielfach die thüringischen Staaten. An verschiedenen thüringischen Orten wurden kursächsische Postämter gegründet, so z. B. 1706 in Buttelstedt auf der Poststrecke Leipzig-Frankfurt, 1708 in Ilmenau als Station des Hamburg-Nürnberger Kurses, 1738 in Sondershausen für die seit 1702 von der kursächsischen Post versorgte Strecke Weißensee, Frankenhausen, Sondershausen, Nordhausen, 1768 in Gera für den Kurs Leipzig-Coburg, 1803 in Frankenhausen für den oben erwähnten Kurs Weißensee-Nordhausen und für einen neu eingerichteten Kurs Frankenhausen-Artern.

Auch in Erfurt (seit 1702 sächsische Postfaktorei), Weimar (1803), Langensalza (1702), Jena, Schleiz, Arnstadt (1702-1712 und 1749-1759), Weida, Langewiesen (1739) und Creußen (1739) wurden kursächsische Poststationen errichtet.

Auf der Leipzig-Frankfurter Strecke war die alte, seit 1616 bestehende sächsische Botenpost 1652 in eine reitende Post umgewandelt worden. Nach erheblichen Streitigkeiten kam im Jahre 1690 auch eine kusächsische fahrende Post in Gang.

Als im Jahre 1731 die kurmainzische Regierung die sächsische Postexpedition in Erfurt nicht mehr dulden wollte, ließ Kursachsen die Leipzig-Frankfurter Post bis zum Jahre 1744 unter Umgehung von Erfurt über Gebesee fahren. Die Stadt Weimar wurde erst 1804 (nach dem Bau der Kunststraße Weimar-Eckartsberga) in den Leipzig-Frankfurter Kurs einbezogen.

Ein wichtiges Ausdehnungsgebiet war für die kursächsische Post der Osten Thüringens. Bereits 1683 nahm eine kursächsische Reitpost ihren Weg von Leipzig über Gera, Schleiz, Hof, Bayreuth nach Nürnberg. 1686 errichtete das Oberpostamt in Leipzig auf dieser Strecke eine "geschwind fahrende Postkalesche". auch an eine 1702 von Thurn und Taxis eingerichtete Postkutsche von Nürnberg nach Coburg stellte das Leipziger Oberpostamt von Coburg als Anschluß nach Leipzig her. Da hierbei weimarisches und coburgisches Gebiet berührt wurde, schloß Kursachsen mit den beiden Regierungen am 24. Mai 1704 besondere Verträge ab. Ferner führte ein im Jahre 1698 von Kursachsen angelegter Postkurs von Leipzig über Zeitz, Gera, Auma, Schleiz, Plauen nach Adorf. Auf dem Marktplatz von Auma steht noch heute eine vom Kurfürst August dem Starken (1694-1733) errichtete Postsäule mit dem kursächsischen Wappen und der Angabe der Entferungen (Fahrzeiten) nach 80 Orten. - Andere kursächsische Fahrpostlinien liefen zwischen Jena und Gera; Langensalza, Gotha, Arnstadt, Eisfeld und Coburg; Leipzig und Jena; Leipzig, Gera, Neustadt (Orla), Saalfeld, Königsee, Ilmenau, Schleusingen und Coburg.


c) Die preußischen Posten


Bereits die brandenburgische Post durchlief auf dem Kurs Halberstadt-Duderstadt-Kassel mit besonderer kurmainzischer Erlaubnis das Eichsfeld, jedoch ohne jeglichen Postaustausch. Ein von Preußen im Jahre 1710 gefasster Plan, die preußische Fahrpost von Duderstadt über Gotha nach Coburg und Nürnberg zu führen, scheiterte an dem Widerstand der thüringischen Fürsten und des Erzbischofs von Mainz. Auch im Jahre 1792 gehegte Pläne, im Anschluss an den Erwerb der Fürstentümer Ansbach und Bayreuth die Nürnberger Post unter preußische Obhut zu nehmen, kamen nicht zur Ausführung. Im Siebenjäjhrigen Krieg nahm Preußen - wie bereits oben erwähnt - alle Reichspostämter in dem besetzten Gebiet, vor allem auch in Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen sowie das Eichsfeld durch den Lunéviller Frieden endgültig von Preußen erworben worden waren, hielt auch die preußische Post in den Jahren 1802/03 in ihnen ihren Einzug. In der Zeit der französischen Besatzung (1808-1813) war das Erfurter Postamt einem französischen Postdirektor unterstellt.


d) Schwedische Posten


Während des Dreißigjährigen Krieges durchzogen sogar schwedische Posten das Thüringer Gebiet. Im Jahre 1634 wurde von den Schweden eine wöchentlich zweimal verkehrende Post von Frankfurt (Main) über Eisenach, Mühlhausen, Braunschweig nach Hamburg und Lübeck eingerichtet. In Mühlhausen wurde ein gewisser Ernst Bergmann "Obrister Postmeister" erwähnt (laut Nachtrag zur Chronik des Postamts Mühlhausen - im Besitz des Reichspostmuseums -).


e) Landesherrliche Posten


Die Posten der Landesherren hatten im ganzen nur untergeordnete Bedeutung, weil die einzelnen Staatsgebiete zu klein waren.

Einen besonderen Abschnitt in der Thüringer Postgeschichte bietet die weit über das landesherrliche Gebiet hinausgehende Tätigkeit des Postmeisters Dr. Bieler in Jena, dem Herzog Wilhelm Ernst zu Weimar durch Erblehnbrief vom 30. Juli 1687 "das gesamte Geschwinde Postwesen in den Fürstlich Sächsischen Landen Weimarischer Linie" übertragen hatte. Bieler der auch vom Hause Thurn & Taxis eine Bestallung als Reichs-Postmeister für die kaiserliche reitende Post erhielt, schuf im Jahre 1687 eine neue Fahrpost von Jena bis nach Frankfurt (Main). Einen Anschluß nach Leipzig konnte er infolge heftigen Widerstandes der kursächsichen Post erst im Jahre 1698 erreichen.

Die Post hielt sich schließlich als "Sachsen-Eisenachische und Hessen-Darmstädtische Sammtpost" bis zum Jahre 1806. Auch nach Nürnberg richtete Bieler eine Postverbindung ein. In Gotha errichtete Herzog Friedrich II. 1714 eine eigene Landespost, die sogar ein Postamt in Hamburg unterhielt.

Im Herzogtum Sachsen-Meiningen bestand etwa zu gleicher Zeit ein Landes-Botenwagen, der wöchentlich zweimal von Sonneberg nach Meiningen und zurück ging. Sogar im Reußischen gab es von 1801 bis 1845 eine "Hof-Post", die von Greiz aus Extraposten nach 15 Nachbarorten stellte.

Der Erwähnung bedarf noch eine Posteinrichtung der fürstlichen Regierung von Schwarzburg-Sondershausen: "Der Küchenwagen", der im Jahre 1703 zur Fahrt zwischen Sondershausen und Arnstadt über Creußen und Erfurt eingestellt wurde, um die Hofküchen zu versorgen. 1738 erhielt er die Eigenschaft einer eigentlichen Post und diente auch zur Beförderung von Briefen, Paketen und Personen; er wurde von da an auch als "Sondershäusischer Kammerwagen" bezeichnet. Als 1802 die preußische Postverwaltung in Erfurt einzog, nahm der Wagen seinen Weg unter Umgehung Erfurts über Langensalza und Gotha. Er überdauerte sogar den Übergang der Post in der Unterherrschaft Schwarzburg-Sondershausen auf Preußen und fuhr von 1816 an mit preußischer Genehmigung wieder über Erfurt; schließlich konnte er aber mit den Zeitverhältnissen doch nicht Schritt halten und ging 1837 endgültig ein.

Eine ähnliche Einrichtung war der von Jena aus betriebene Jena-Eisenacher Kammerwagen. Es war das ein bedeckter Wagen, der, angeblich vorzugsweise für Studenten und Kranke bestimmt, seit Beginn des 18. Jahrhunderts bis zum Jahre 1806 anfänglich einmal, später zweimal in der Woche zwischen Jena und Eisenach hin und zurück fuhr. In Jena hatte er eine Zeitlang Anschluß an einen ähnlichen Kammerwagen, der zwischen Jena und Leipzig verkehrte. Auch zwischen Erfurt, Weißenfels und Leipzig fuhr um 1790 ein "Kammerwagen".


f) Städtische und private Botenposten


Die Zahl der neben den Postlinien der Thurn- und Taxisschen Post sowie neben den sächsischen, preußischen und den landesherrlichen Posten bestehenden städtischen und privaten Botenanstalten sowie der Einzelbotengänger ist groß. Wer die alten Postberichte durchsieht, findet für die örtlichen Verbindungen die verschiedensten Angaben. z. B. führt ein "Taschenkalender für Geschäftsmänner und Reisende im Erfurter Gebiet aus dem Jahre 1795" nach den "ordinären Posten" und den "Kammerwagen" noch auf 4 Seiten die verschiedensten Landkutscher, Fuhrleute und Bothen" an, die den Verkehr mit der engeren und weiteren Umgebung von Erfurt vermittelten.

Aus der Reihe der privaten Botenanstalten ragt besonders ein privates Unternehmen heraus, das sich großer Beliebtheit erfreute und eine größere Bedeutung gewann: "Die Meviusboten-Anstalt in Gotha." Diese Anstalt führte ihre Rechte auf eine fürstliche Genehmigung aus dem Jahre 1691 zurück. "Die Meviusschen Zeitungsboten", die ursprünglich zu Fuß gingen, dann aber beritten waren, versahen etwa um 1700 an regelrechten Postdienst von Gotha einerseits über Saalfeld nach Plauen und anderseits über Creußen und Sondershausen nach Eisleben. Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse hielt sich die Einrichtung viele Jahrzehnte; 1802 unterhielt sie 14 Boten zur Begehung von 75 Ortschaften, und noch 1841 verfügte sie über 7 reitende Boten, die Briefe und Zeitungen nach Leipzig, Saalfeld, Coburg, Schweinfurt, Eisenach, Nordhausen und Eisleben beförderten. Erst im Jahre 1854 ging die Anstalt ein. Das Recht der Postsachebeförderung zwischen den beiden reußischen Hauptstädten Greiz und Gera wurde im Jahre 1799 dem sogenannten "Geraischen Boten", einem Greizer Bürger, der später Postverwalter wurde, verliehen.


4. Herrschaft der Thurn- und Taxisschen Post zusammen mit der Preußischen Post (1806 - 1850)


Die großen politischen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts führten auch eine Wendung in der Postentwicklung herbei. Durch den Reichsdeputations-Hauptschluß vom 25. Februar 1803 war die Erhaltung der Fürstlich Thurn- und Taxisschen Posten zunächst garantiert worden, und zwar "in dem Zustand, in welchem sie sich ihrer Ausdehnung und Ausübung nach zur Zeit des Lunéviller Friedens (1801) befanden." Jedoch mit der Gründung des Rheinbundes und der Auflösung des Deutschen Reiches (6./11. August 1806) stürzte das ganze Reichspostwesen in seiner bisherigen Rechtsform zusammen: Die Posthoheit ging als Staatsregierungsrecht von dem Kaiser auf die souverän gewordenen Fürsten des Rheinbundes über. Einige thüringische Fürsten, wie z. B. Herzog Karl August in Weimar und Fürst Günther Friedrich Karl in Schwarzburg, besetzten deshalb die Thurn- und Taxisschen Poststellen und verweigerten der Reichspost den Durchgang durch ihr Gebiet. Der Fürst von Thurn und Taxis bot nunmehr den einzelnen Ländern die vertragsmäßige Übernahme des Postwesens an. Seine Lage verbesserte sich grundsätzlich, als nach dem Sturz Napoleons sich der Rheinbund auflöste und der Deutsche Bund gegründet wurde. Die Deutsche Bundesakte (1815) enthielt die für Taxis sehr günstige Bestimmung, daß hinsichtlich der Rechte des Fürstlich Thurn- und Taxisschen Hauses der durch den Reichsdeputations-Hauptschluß von 1803 bestätigte Zustand des Jahres 1801 gelten solle. Da einerseits eine einheitliche Staatsgewalt, die das gesamte Postwesen in Thüringen hätte selbst übernehmen können, nicht vorhanden war, und andererseits die Notwendigkeit zur Schaffung größerer Postverbindungen, die über die Grenzen der fürstlichen Kleinstaaten hinausgingen, sich dringend geltend machte, kamen nunmehr allenthalben Verträge zustande, durch die die Verwaltung und Nutznießung der Posten dem Fürstlichen Hause Thurn und Taxis als Thronlehen gegen jährliche Pachtsummen übertragen wurden.

In den Postlehensverträgen behielten sich die Regierungen zumeist das Recht der Gesetzgebung und das Aufsichtsrecht vor. Für die Wahrnehmung der landes- und lehnsherrlichen Rechte wurde entweder eine besondere Staatsbehörde - wie die Großherzogliche Ober-Postinspektion in Weimar - eingesetzt, oder die oberste Landesbehörde übte diese Rechte unmittelbar aus. Auf thurn- und taxisscher Seite setzte man zur Beaufsichtigung für das thüringische Gebiet einen Oberpostkommissar beim Reichspostdirektiorium in Eisenach ein, der seinerseits der Generaldirektion in Frankfurt (Main) unterstand.

Innerhalb des fürstlichen Postgebiets wurden in allen Staaten Portofreiheiten gewährt: Der Familie des Landesherrn und gewissen hohen Staatsbeamten für die Privatkorrespondenz und ferner in beschränktem Umfang bestimmten Staatsbehörden in herrschaftlichen Angelegenheiten.

Die Anstellung der Postbeamten in Thüringen geschah regelmäßig derart, daß die taxissche Postverwaltung zwei Personen vorschlug, von denen die eine dann landesherrlich bestätigt wurde. Die Unterbeamten wurden von der Generalpostdirektion in Frankfurt (Main) "im Einverständnis mit der Aufsichtsbehörde" angestellt.

Nunmehr konnte die Thurn- und Taxissche Post sich in Thüringen voll entwickeln. Sie richtete mit dem wachsenden Verkehr viele neue Reit- und Fahrposten ein. Sehr zugute kam ihr dabei, daß vom Jahr 1820 an der Bau von festen Kunststraßen einsetzte. Die landesherrlichen Posten verschwanden bis auf wenige Ausnahmen. Auch die kursächsische Post mußte weichen. An Stelle von Botenposten wurden Personenposten eingesetzt. Die Zahl der taxisschen Postanstalten wurde vermehrt.

Das damalige Verkehrsnetz ähnelt in vieler Beziehung dem heutigen Verkehrsnetz Thüringens (von 1938/39); als Hauptunterschied ist jedoch festzustellen, daß die privatwirtschaftlich eingestelle Thurn- und Taxissche Verwaltung ihre Aufmerksamkeit in überwiegendem Maße der Entwicklung des Verkehrs auf den Hauptlinien zuwandte und die seitwärts von den großen Straßen liegenden Orte nur wenig beachtete. Man sieht daraus, daß es ihr in erster Linie nicht darauf ankam, einen wirklich guten Verkehr zu schaffen, sondern Geld zu verdienen (Tja Guter, ohne Moos nix los). So besaßen viele der größeren verkehrsreichen Orte Thüringens, die nicht unmittelbar an den großen Verkehrsstraßen lagen, noch keine Postanstalt, während manches kleine unbedeutende Dorf sich einer solchen länst erfreute. Von den im thurn- und taxisschen Gebiet gelegenen 79 thüringischen Städten mußten 35 die Postanstalt entbehren. Der volks- und staatswirtschaftliche Grundsatz, daß der Strom des Verkehrs in Seitenkanälen bis nach dem entlegensten Gebiet geleitet werden muß, damit er das ganze Land befruchtend durchdringt, war bei der thurn- und Taxisschen Postverwaltung noch wenig ausgeprägt.

Die Gesamtzahl der Thurn- und Taxisschen Postanstalten, die Thüringen im Jahre 1822 besaß, belief sich auf 57. - Die Tätigkeit der Thurn- und Taxisschen Post war sehr rege. Nach der Zusammenstellung im Archiv für Post und Telegraphie 1893, Seite 324, waren im Jahre 1822 in Thüringen 75 Postkurse vorhanden, nämlich:

24 Fahrpostkurse mit einer Länge von ca. 188 Meilen
36 Reitpostkurse mit einer Länge von ca. 206 Meilen
2 Karriolpostkurse mit einer Länge von ca. 7 1/2 Meilen
13 Botenpostkurse mit einer Länge von ca. 38 1/2 Meilen
zusammen: 440 Meilen.

Die weitaus größte Zahl dieser Kurse wurde von der taxisschen Postverwaltung unterhalten. Als wichtigster Kurs, an dem sie beteiligt war, ist der uralte Nürnberg-Hamburger Fahrpostkurs anzusehen, bei dem der Reichspost nach heißen Kämpfen mit Preußen und Bayern die Strecke von Gotha-Oberhof-Schleußigen-Hildburghausen-Coburg verblieb. An der zweitwichtigsten Thüringer Hauptstrecke von Leipzig nach Frankfurt waren Thurn- und Taxissche Postämter in Weimar, Gotha und Eisenach. Von diesen Hauptstrecken und den an ihr gelegenen größeren Orten liefen Anschlußlinien strahlenförmig durch das ganze Thüringer Land.

So entwickelte sich im Verlauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Zustand, daß in dem Gebiet, das heute von der Reichspostdirektion Erfurt umfasst wird, außer der Thurn- und Taxisschen Post nur noch die preußische Postverwaltung herrschte. Diese erweiterte ihren Bereich über die von Preußen durch den Lunéviller Frieden und durch den Wiener Kongreß staatsrechtlich erworbenen Gebiete hinaus noch durch Verträge mit den Fürstentümern Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen vom 27. Dezember 1815 und 20. Februar 1816, nach denen die Ausübung des Postregals für die Schwarzburger Unterherrschaften (Sondershausen, Frankenhausen), in denen bisher sächsische Postanstalten tätig gewesen waren, auf Preußen überging. Die sächsische Postanstalt in der vom preußischen Gebiet umschlossenen weimarischen Exklave Allstedt war bereits im Jahre 1815 von Preußen erworben worden. Auch in den preußischen Kreisen Schleusingen und Ziegenrück hatte Preußen, obwohl diese Gebietsteile mitten im thurn- und taxisschen Verwaltungsgebiet lagen und mit preußischen Postkursen nicht in unmittelbarer Verbindung standen, das Postwesen nicht an Taxis überlassen, sondern in eigene Verwaltung genommen. Allmählich gewann so das Postwesen klarere Formen, und in dem Entwurf zu einer Reichsverfassung vom Jahre 1849 wurde auch bereits die Vereinheitlichung des gesamten deutschen Postwesens als Ziel erkannt, aber die Zeit war noch nicht reif, diesen großen Gedanken in die Tat umzusetzen. Wie aber Preußen für die Bildung des zweiten Deutschen Reiches den Grundstock bildete, so wurde auch das preußische Postgebiet in Thüringen die Wiege für die spätere Reichspostdirektion Erfurt.

 
 



5. Gründung der preußischen Oberpostdrektion (OPD) Erfurt (1850)


 
Bei der allgemeinen Aufteilung des bis dahin einheitlich unter unmittelbarer Leitung des Generalpostamtes in Berlin stehenden preußischen Postgebietes in 26 Oberpostdirektionen am 1. Januar 1850 wurde auch die Oberpostdirektion Erfurt eingerichtet und in dem Postgebäude am Anger 68 mit untergebracht. Ihr Bereich war:

Der preußische Regierungsbezirk Erfurt, die Unterherrschaften der Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen und die Großherzoglich Sachsen-Weimarische Exklave Allstedt.

Der neue OPD-Bezirk Erfurt war mit einem Flächenraum von 62 Quadratmeilen und 347.000 Einwohnern der zweitkleinste unter den neugeschaffenen Oberpostdirektionen. Wie aber in der amtlichen Denkschrift "Zum fünfzigjährigen Bestehen der Oberpostdirektionen" (Berlin von 1899, Seite 18) ausgeführt ist, war seine postalische Verwaltung gleichwohl verwickelter als in manchen größeren Bezirken, weil er nach drei Seiten hin von fremden Postbezirken umgeben war. Sein Kurssystem baute sich daher fast durchweg auf Vereinbarungen auf; die gegenseitig zu übernehmenden Leistungen erforderten vielfache Verhandlungen, auch waren die wechselseitigen "Speditionen" vertragsmäßig zu regeln, während die wichtigen gegen Entgelt gewährten Transitbefugnisse nicht minder einer eingehenden Beobachtung unterlagen.

Innerhalb der neuen OPD waren alle Verkehrsanstalten gleichgeordnet. Man unterschied die Postanstalten in Postämter und Postexpeditionen I. und II. Klasse. Für das Abrechnungswesen wurde eine Bezirks-Ober-Postkasse geschaffen.

Ende 1852 waren im Bezirk 25 Postanstalten vorhanden, und zwar je 4 Postämter I. und II. Klasse sowie 1 Postexpedition I. und 16 Postexpeditionen II. Klasse. Die Gesamtzahl aller Beamten im OPD-Bezirk betrug 72.


6. Eingliederung der Thurn- und Taxisschen Posten (1867)



Das Thurn- und Taxissche Postgebiet: Die Thurn und Taxissche Post besorgte zu Beginn der Markenzeit den Postdienst in Hessen, in Thüringen, in Lippe, in Hohenzollern und in den Hansestädten. Ab Januar 1852 bis August 1866 wurden eigene thurn- und Taxissche Postwertzeichen herausgegeben, in unterschiedlichen Zeichnungen für das nördliche Gebiet mit Thaler-Währung und das südliche Gebiet mit Gulden-Währung. Die Marken durften nur innerhalb des jweiligen Währungsgebietes verwendet werden; dennoch kommen Verwendungen mit Stempeln aus dem anderen Währungsgebiet vor.

Im einzelnen gehörten die folgenden Staaten und Städte des Deutschen Bundes zum Thurn und Taxisschen Postgebiet (in Klammern Beitrittsdatum zum Deutsch-Österreichischen Postverein):

NÖRDLICHER BEZIRK, THALER-WÄHRUNG (= Silbergroschen) :

Kurfürstentum Hessen (1.10.1851)
Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach (1.5.1851)
Fürstentum Reuß/Schleiz (Reuß jüngere Linie) (1.4.1851)
Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen (Oberherrschaft) (1.5.1851)
Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, Landesteil Gotha (1.5.1951)
Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, Amt Camburg (1.5.1851)
Fürstentum Lippe-Detmold (1.7.1853)
Fürstentum Schaumburg-Lippe ö(1.1.1854)
Freie Hansestadt Bremen (15.11.1851)
Freie und Hansestadt Hamburg (28.11.1851)
Freie Hansestadt Lübeck (22.11.1851)

SÜDLICHER BEZIRK, GULDEN-WÄHRUNG (= Kreuzer) :

Großherzogtum Hessen (1.10.1851)
Herzogtum Nassau (1.10.1851)
Landgrafschaft Hessen-Homburg (1.5.1851)
Freie Stadt Frankfurt a. M. (1.5.1851)
Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen (1.5.1851)
Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, Landesteil Coburg (1.5.1851)
Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt (Oberherrschaft) (1.5.1851)
Fürstentum Hohenzollern-Hechingen (1.6.1852)
Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen (1.6.1852)

In dem postalischen Wirrsal, das bis 1866 in Deutschland herrschte, verschafften die Staatskunst überragender Männer und die Erfolge der Waffen im Krieg gegen Östererich dem Staat Preußen das zur Schaffung einer postalischen Einheit notwendige Übergewicht. Noch während des Krieges übernahm der damalige Geheime Postrat Stephan am 21. Juli 1866 im Auftrag des preußischen General-Postamts schlagartig die Leitung der "Fürstlich Thurn- und Taxisschen General-Postdirektion" in Frankfurt am Main.

Unter dem Eindruck dieser Maßnahme ließ der Fürst von Thurn und Taxis bereits im August seine Bereitwilligkeit zur Abtretung seines gesamten Postwesens an Preußen erklären. In den dann abgeschlossenen Friedensverträgen mit den deutschen Regierungen, in deren Gebieten sich taxissche Posten befanden (für Thüringen: Sachsen-Meiningen und Reuß ä. L.), wurden entsprechende Bedingungen vorgesehen. Bei den übrigen Regierungen wurde das Einverständnis auf diplomatischem Wege eingeholt. Da nach den amtlich erstatteten Rechtsgutachten, das Postwesen des Fürstlichen Hauses Thurn und Taxis auf wohlerworbenen Rechten beruhte, kam man überein, eine Entschädigung zu zahlen, die gegenüber einer Forderung von ursprünglich 10 1/2 und später 4 Millionen Thalern, nach längeren Verhandlungen auf 3 Millionen Thaler festgesetzt wurde. Auf dieser Grundlage ging durch einen Vertrag vom 18. Januar 1867 das gesamte Thurn- und Taxissche Postwesen in ganz Deutschland mit allen dazugehörigen Rechten und dem unbeweglichen und beweglichen Eigentum in den Besitz der preußische Regierung über. Die Beamten und sonstigen Bediensteten wurden mit ihren bisherigen Bezügen und Ansprüchen übernommen.

Mit dieser Tat wurde ein Ziel von größter Bedeutung für das Staatsleben Deutschlands, besonders aber für das politisch zerklüftete Thüringen, und für die Entwicklung des deutschen Verkehrs erreicht.


(Quelle: Deutsche Postgeschichte. Herausgegeben im Auftrag des Reichspostministeriums 1939/II. Verfasser: Dr. Paul Müller, Oberpostdirektor bei der Reichspostdirektion Erfurt, zur Zeit Armeefeldpostmeister, Titel "Die Post in Thüringen" mit den Quellanangaben. Hier überarbeitet und ergänzt.)

In Bearbeitung

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Einen guten Tag wünschen wir Ihnen, liebe glückliche Sammergemeinschaft!
Vielen Dank für Ihre freundliche Aufmerksamkeit > DER SAMMLER - 2017 - (von Robert Büchner, Aussteller): "Egal ob Groß, egal ob Klein, so vieles passt in eine Sammlung rein. Es gibt so viele schöne Sachen, gesammelt wird in aller Welt, mal für viel, mal auch für wenig Geld. Der Sammler muss es nur besitzen, manch einer würde es sogar stebitzen. Und hat er das begierde Objekt, wird es oft dann gut versteckt. Ein Andrer kommt nicht darum herum, muss zeigen seine Schätz dem Publikum. Die Präsentation macht stolz ihn, ohne Frage, das ganze nennt dann sich Vernissage. So steigt des Sammlers Glück, mit jedem neu erworbnen Stück. Und weiter jagt er nach den Wunschobjekten sein ganzes Leben, so ist es nun mal bei richt'gen Sammlern eben. Doch auch wenn er hofft, dass er jetzt schon alles hätt, so ist die Sammlung zumeist nie ganz komplett. Und hast du Sammler auch gefüllte Truhen, Schränke, Bände, gedenke stets auch an dein Lebensende. Deshalb Sammler, dass sag ich ausdrücklich dir, stirbst zu dereinst, die Sammlung, die bleibt hier. Denn sogleich nach deinem Sterben. Ja selbst die Pharaonen mit ihren Jenseits-Gaben, wurden schließlich wieder ausgegraben. Jedoch dedenke tröstlich nicht zuletzt, du sammelst ja für dich und jetzt." - Aus dem Buch aus der Guten Alten Zeit "Schule der Philatelie" von Alexander Hardtmut (Im Heering-Verlag in Harzburg von 1 9 4 0 ) liest man folgendes zum Sammeltrieb: "Der Sammeltrieb ist so alt wie die Menschheit. Schon der vorgeschichtliche Mensch der Steinzeit hat sich gewiß bald eine Tasche aus Fell genäht und umgehängt, um allerhand hineinzutun, was ihm gefiel oder brauchbar erschien. Die Neger, die manchmal unseren Steinzeitvorfahren auffallend ähnlich sind, haben übrigens noch heute solche Beutel, in die sie Muscheln, Steine, Pflanzen, Fetische und Amulette sammeln. Aber so weit brauchen wir gar nicht zurückgehen. Man beobachte auf dem Spielplatz nur einmal kurze Zeit eine Gruppe Kinder. Die meisten der kleinen Kerle tragen eine Schürze mit einer großen Tasche, in die sie emsig alles versenken, was ihnen Freude macht. Immer wieder staunt man, wenn man zufällig einmal Zeuge einer Entleerung der Tasche wird, was alles darin verborgen war: Silberpapier, Bindfäden, Korken, kleine Reklamebilder, vertrocknete Blumen, Buntstifte, angebissene Kuchenstückchen, Maikäfer, Nägel. Die Vierjährigen sind schon sehr vielseitig in ihren Interessen! Und nun erst ein zwölf- oder vierzehnjähriger Junge! Wenn man den einmal dazu bewegen kann, seine Taschen gründlich umzuwenden, dann liegen danach bestimmt zwanzig bis dreißig verschiedene Gegenstände auf dem Tisch, vom Taschenmesser abwärts bis zur Schraubenmutter. Oft befindet sich darunter auch ein kleiner Umschlag, eine Zigarettenschachtel, in der einige schmutzige, zerknitterte Briefmarken ruhen. Das sind die Anfänge des Briefmarkensammelns! Unsere menschliche Erbmasse sorgt dafür, daß fast alles gesammt wird, was nicht angenagelt ist. Ich kannte einen preußischen Geheimrat, der sammelte die verschiedenen Bindfadenarten, außerdem hob er Streichholzschachteln mit verschiedenem Aufdruck auf. Diese Schachtelsammlung kam später in ein richtiges Museum! Seine Majestät der Kaiser von Abessinien und König von Italien besitzt die schönste Münzsammlung der Welt. Friedrich der Große sammelte Tabaksdosen. Unser Nachbar hat eine Steinsammlung. Die Dame, die über uns wohnt, ist stolze Besitzerin einer bunten Reihe Sammeltassen. Ein guter Bekannter von mir war Liebhaber wervoller Gemälde. Zu seinen Lebzeiten zerriß sich die Familie den Mund darüber, daß er sein ganzes Geld in Bildern anlegte. Die liebevollen Verwandten erklärten ihn rund heraus für verrückt. Erst zehn Jahre nach seinem Tode erkannte man beschämt, was für kostbare Schätze er zusammengetragen hatte. Aber nicht nur Kunstgegenstände, Zinn, Porzellan, Stiche, alte Bücher, gemalte Pfeifenköpfe, Meerschaumspitzen werden gesammelt. Kleine Jungens heben sorgsam an den Haltestellen der Straßenbahnen und Autobusse die weggeworfenen Fahrscheine auf, um damit selbst Schaffner zu spielen. Alte Herren haben Freude an Stöcken mit geschnitzten Griffen. Eine Zeitlang war es Mode, sich eine Wappensammlung mit Siegelabdrücken adeliger Wappen zuzulegen. All das hat seine Blütezeit und gerät dann wieder in Vergessenheit. Nur eine Liebhaberei hat sich unablässig verbreitet, hat alle Geschmacksrichtungen überdauert und sich immer mehr veredelt: Das Sammeln von Postwertzeichen! - Wir schreiben unsere "Schule der Philatelie" nicht nur für eifrige Sammler oder solche, die es werden möchten, sondern auch für all die interessierten Menschen, die - ohne selbst zu sammeln - gern wissen wollen, was es mit dieser Liebhaberei für eine Bewandtnis hat. Wir halten es daher für richtig, gleich rund heraus zu sagen, wer nicht sammeln soll. Wenn jemand schwache Augen hat oder farbenblind ist, bedeutet es immerhin ein Wagnis, Briefmarken zu sammeln. Die Augen werden dabei angestrengt, es heißt sehr genau hinsehen, oft arbeitet man bei künstlichem Licht und vor allem, die Farben spielen eine große Rolle. Wer einen guten Farbensinn besitzt, ist zu beneiden. Er braucht nicht immer wieder im Farbenführer nachzuprüfen, ob die Marke nun blau oder ultramarin ist. Trotzdem brauchen Farbenblinde durchaus nicht zu verzichten. Sie lassen sich, wenn es auf die Farben ankommt, helfen. Ich kenne mehrere begeisterte, tüchtige Sammler, die an diesem Fehler leiden. Wir sagten schon, daß heute beinah jeder dritte Junge Briefmarken in der Hosentasche hat (Bemerkung: Tja das waren noch Zeiten im Gegensatz zu heute im Jahre 2021). Sicher hat so die ganze Sammelei begonnen! Ein Schüler hatte wohl als erster Spaß an den bunten Dingern und steckte mit seiner Leidenschaft seine guten Klassenkameraden an. Man begann, die Stücke einzukleben und es dauerte nicht lange, so begann man zu tauschen. Die Väter, Onkels, größeren Brüder wurden aufmerksam. Und weil bekanntlich in jedem Mann bis zum hohen Alter ein Junge steckt, erlagen auch sie bald der Ansteckung durch den philatelistischen Bazillus. So war es vor fünfzig Jahren und so ist es auch heute noch! Der Unterschied liegt nur darin, daß die Gemeinde der Sammler außerordentlich angewachsen ist. Wenn Vater und Mutter merken, daß ihr Hans plötzlich ein begeisteter Briefmarkensammler wird, werden sie sich als gute Eltern die Frage vorlegen, ob sie diese Liebhaberei unterstützen oder verbieten sollen. Teilweise haben wir in der Einführung zu dieser Frage schon bejahend Stellung genommen. Vernünftiges, geordnetes Briefmarkensammeln kann jedem jugendlichen Menschen nur zum Vorteil gereichen. Voraussetzung ist, daß er über der seltenen so begehrten Marke nicht vergißt, darauf zu achten, daß gerade beim Markensammeln eine anständige Gesinnung die Hauptsache ist. Mein und Dein dürfen niemals verwechselt werden, und das Gefühl für Recht und Unrecht kann gar nicht deutlich genug entwickelt sein. Die Eltern müssen aufpassen, daß aus dem kindlichen Sammler nicht ein junger Gauner wird, der unter Umständen seine größere Erfahrung und geistige Überlegenheit dazu benutzt, jüngeren Kameraen oder Anfängern wertvolle Exemplare abzuhandeln und ihnen als Gegenwert seine eigenen, minderwertigen Stücke zuzuschieben. Eine gewisse Aufsicht ist also am Platze! Auch der ältere Sammler muß stets daran denken, daß das Vertrauen, das ihm geschenkt wird, wenn man ihn bittet, etwas zu taxieren oder zu übernehmen, ihn doppelt verpflichtet und allergrößte Ehrlichkeit verdient. Kein Mensch wird es ihm verargen, wenn er einmal einen sogenannten "Gelegenheitskauf" macht; keinesfalls soll er aber die Lage ungebührlich ausnutzen. Doch unser Hans ist immer ein braver, ehrlicher Kerl gewesen und bei ihm besteht eher die Gefahr, daß ihn ein älterer Schüler über das Ohr haut. Erlauben wir es ihm also in Ruhe zu sammeln. - Die Materialbeschaffung: Aber wo soll er nun Material herbekommen? Darunter verstehen wir sauber ausgeschnittene Postwertzeichen. Der Grundsatz heißt hier: Jede Marke ist es wert, gesammelt zu werden. Natürlich bezieht sich das nicht auf 12-Pfennigmarken mit dem Hindenburgkopf, die täglich zu Millionen verbraucht werden! (In Deutschland sollen angeblich täglich 23 Millionen Marken gedruckt werden.) Aber schon höhere deutsche Werte, Dienstmarken und vor allem Wohlfahrtsmarken, sind sehr erwünscht. Wenn man merkt, was für eine Freude der Junge an jedem Stück jat, sammelt man mit. Man besinnt sich plötzlich auf die vielen Ansichtspostkarten, die man in seiner Junggesellenzeit von Schwester Erna erhielt, anläßlich ihrer Weltreise. Man entdeckt einige ganz hübsche Marken darauf. Um die Briefe von Tante Ottilie, die sie aus Kanada an Großmama zu schreiben pflegte (vor vielen Jahren)! Die bedächtige gute Oma pflegte alle Umschläge sorgfältig aufzuheben. Unser Hans steht mit hochroten Backen aufgeregt neben der Mutter und sieht zu, wie sie in ihrem Schreibtisch danach sucht. Da sind sie! - ein ganzes, sauber gebündeltes Paket. Am nächsten Tage gibt es auf dem Schulhof in der großen Pause eine förmliche Revolution, denn die Kanadamarken sind sehr schön und wertvoll. Eine ganz Anzahl war mehrfach vorhanden; mit ihnen tauschte Hans und hatte schnell eine Fülle einfacherer Stücke eingehandelt. Dabei wurde einwandfreie Excemplare sorgfältig zu ihrem jeweiligen Katalogpreis gegeneinander abgewogen. - Hans hat bald eine große Tüte voll Marken gesammelt. Vom Händler hat Vater noch ein großes "Sammelkuvert" erstanden - es kostete nicht einmal viel, in dem 250 verschiedene Marken waren. Auch einen alten Katalog besitzt Hans. Es schadet nichts, daß dieser Katalog schon sechs Jahre alt ist. Lernen kann man daraus tadellos, und überraschende Fortschritte in Erdkunde und Briefmarkenkunde werden immer deutlicher. Ein solcher Markenkatalog ist nämlich nicht etwa nur ein trockenes Verzeichnis aller Briefmarken. Eine ungeheure Menge von geographischem und markenkundlichem Wissen ist hier zusammengetragen. Es lohnt sich sogar für den Nichtsammler, einen Markenkatalog mit seinen vielen politschen Hinweisen und überhaupt wegen seiner geschlossenen Darstellung aller Länder oder Gebiete der Erde aufmerksam zu studieren! Selbstverständlich schnappt unser junger Freund schnell die gebräuchlichsten Fachausdrücke auf. Stücke mit Fehlern und Rissen bezeichnet er als "Knochen", dünne Stellen als "Fenster". Kurz, er benimmt sich wie ein alter Hase, und eines Tages, so kurz vor Weihnachen, liegt auf Vaters Schreibtisch folgender Brief: (Titel: Das erste Album) - "Liebe Eltern! Diesmal habe ich zu Weihnachten einen ganz großen Wunsch. Ich möchte so furchtbar gern ein Briefmarkenalbum haben. Fast alle Jungens in der Klasse haben eins, auch Werner. (Ja toll, das waren noch Zeiten!). Es wäre doch auch schade, wenn meine wertvollen Bestände in der Tüte (an dieser Stelle kann der Vater beim Lesen ein Schmunzeln nicht unterdrücken) verlorengingen. Es kann zu leicht etwas wegkommen. Du weißt doch, wie die Jungs sind. Eingeklebt ist bestimmt besser. (Wahnsinn, dann werden doch die Marken beschädigt!). Werner ist erst vorgestern aus der Mappe eine Sumatra gemaust worden; natürlich beweisen kann er es ihnen leider nicht. Ich verspreche Euch auch, wenn ich das Album habe, Ostern in Erdkunde eine Eins zu bekommen, (damit kann ich z. B. die Vier in Englisch ausgleichen!). Ein großes Album braucht es nicht zu sein. Im Notfall kann ich mal mit Werner darüber sprchen; der hat noch ein zweites, von seinem Onkel, das er vielleicht abgibt und zwar billig. Nebenbei sammle ich natürlich Großdeutschland spezial weiter wie alle. (Tja, heutzutage gibt es leider kein "Großdeutschland" mehr aber dafür die EU). Mit dem Album dafür hat es noch bis nächstes Jahr Zeit. Ich will nichts weiter geschenkt haben, bitte nur das Album. Euer dankbarer Sohn Hans." (Wie bescheiden die Kinder doch damals waren). - Weihnachten liegt natürlich als Hauptgeschenk auf dem Gabentisch das ersehnte neue Album. Aber nicht nur Hans und sein großer Bruder, der Unterprimaner, auch sein Vater, Herr Rechnungsrat Meier, sind sowohl am Heiligabend wie auch am ersten Feiertag - an dem es ununterbrochen regnete (da gab's auch schon die Klimaerwärmung) - um den Jüngsten und sein Album versammelt. Hans ist inzwischen ein ganz erfahrener Sammler geworden. Er weiß, wie er seine Marken behandeln muß, wie er sie einzukleben hat und hantiert beim Ordnen und Sichten der verschiedenen Stücke in seinem alten Katalog herum, daß es eine helle Freude ist. Beim Scjhölafengehen sagt der Vater: "Mutter, ich glaube, daß wir dem Jungen das Album geschenkt haben, war ein Schuß ins Schwarze! Ich habe selber ordentlich Lust bekommen, mitzumachen. Nach den Feiertagen werde ich mal den Kollegen Lehmann vom Zoll fragen; ich glaube, der bekommt immer Post von seinem Sohn aus China." - Markensammlen erweitert das Blickfeld. Gerade heute, da von uns kaum jemand in der in der Lage ist, Reisen nach fremden Ländern oder Erdteilen zu machen (wie in der damaligen DDR), sind die Briefmarken in erhöhtem Umfange ein anregendes, wichtiges internationales Bindemittel. Wir wollen sie darum sammlen und studieren; gerade sie geben oft ausgezeichnete Einblicke in die Geschichte und Lebensweise eines anderen Volkes. Es wäre falsch, nicht jedes Mittel zu benutzen, um selbst die Marken feindlicher Staaten (ja, die gab's damals) und damit ihr Land genau kennenzulernen. Das Gleiche gilt auch für die Marken verschiedener anderer Nationen, deren Interessen den unseren entgegenlaufen. Vor allem können wir uns aber an die Fülle der herrlichen Marken befreundeter und neutraler Länder halten!"
 
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